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Bericht 2002 Acta Pal.

Gmit Nr. 8 - Juni 2002 [Geowissenschaftliche Mitteilungen] S. 90-91

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Dietl, G. & G. Schweigert (2001): Im Reich der Meerengel. Der Nusplinger Plattenkalk und seine Fossilien. 144 S., 203 Farbabb., 6 s/w-Abb.; München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil).- Preis: 30. €; ISBN 3-931516-90- 3.
Der Plattenkalk von Nusplingen auf der Schwäbischen Alb unweit des Oberen Donautales wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Es war kein geringerer als Friedrich August Quenstedt, der 1839 seine Bedeutung als besondere geologische Bildung und Fossillagerstätte erkannt hat. Der Fossilreichtum hat schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu gezielten Grabungen geführt, die dann in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg von der Tübinger Universität betrieben wurden. Nachdem die Vorkommen von Nusplinger Plattenkalk auf dem Westerberg zwischen den Gemeinden Egesheim und Nusplingen unter staatlichen Grabungsschutz gestellt worden waren, begann 1993 das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart unter Leitung von Gerd Dietl mit planmäßigen, wissenschaftlichen Fossilgrabungen. Die bisherigen Fossilfunde sowie die geologischen und paläontologischen Forschungsergebnisse sind jetzt von Gerd Dietl und Günter Schweigert in einem schönen Buch über den Nusplinger Plattenkalk vorgelegt worden.
Unter den mehr als 7000 Funden wurden bisher über 250 Arten von Pflanzen und Tieren des oberen Weißjura (Oberkimmeridge) nachgewiesen, darunter der als "Meerengel" populär gewordene rochenähnliche Hai der Gattung Squatina. Sie stehen in der Qualität der Erhaltung den Solnhofener Fossilien in nichts nach, ja zeigen in bestimmten bituminösen Lagen sogar Einzelheiten von organischen Strukturen. Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert. Zunächst wird die Entdeckung des Nusplinger Plattenkalks und die Grabungs- und Erforschungsgeschichte geschildert. Das Gestein der kalkigen Lagunensedimente und seine Bildungs- und Lebensbedingungen im Kontext mit dem Klima und der paläogeographischen Situation sind weitere Themen, die durch paläogeographische Karten, stratigraphische Säulenprofile, geologische Blockdiagramme, Profilschnitte und Rekonstruktionsbilder der verschiedenen Lebensräume anschaulich gemacht werden.
Im zweiten Kapitel folgt ein Überblick über die bisherigen Fossilfunde, die die Vegetation der benachbarten Inselwelt und vor allem eine artenreiche marine Fauna dokumentieren. Fast jede Gruppe ist durch Farbfotos vertreten und wird erläutert. Da nicht alle im Nusplinger Plattenkalk nachgewiesenen Taxa abgebildet und einzeln beschrieben werden konnten, wird am Ende dieses Teiles der gesamte Fossilinhalt in einer Tabelle aufgelistet, die mit Autorennamen versehen auch wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird. Die bisher nur von Nusplingen bekannten Taxa sind dabei hervorgehoben. Im dritten Kapitel wird kurz auf das 1983 ausgewiesene Grabungsschutzgebiet "Nusplinger Plattenkalk" sowie das seit 1987 bestehende Naturschutzgebiet Westerberg, auf dem sich der Nusplinger Steinbruch befindet, eingegangen.
Den weitaus größten Teil des Werkes nimmt das vierte Kapitel ein, das unter dem Motto steht: "Geschichten rund um den Plattenkalk". Hier werden, wiederum in systematischer Abfolge, ausgewählte Einzelfunde, in zum größten Teil hervorragenden Farbfotos, mit ihren Besonderheiten und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung erläutert. Unter anderem werden dargestellt: der Austernbewuchs eines Ammonitengehäuses, das vollständige Gebiss eines Nautiliden, ein Ammonit mit erhaltener Perlmuttschale, die noch vorhandene Tinte eines Tintenfisches, der älteste Hundertfüßer, eine Riesenlibelle mit über 15 cm Spannweite, das Facettenauge eines Krebses, bis hin zu "lebenden" Fossilien, Speiballen und Kotschnüren, Räubern und Beutetieren, Meereskrokodilen, Haien, Quastenflossern und Flugsauriern. Nur der Urvogel Archaeopteryx fehlt (noch!) in dieser Menagerie der Oberjurazeit. Zweifellos wurde in den letzten fahren durch die Grabungs- und Forschungsaktivitäten des Stuttgarter Museums das Fenster in die Zeit des oberen Jura ein beträchtliches Stück weiter geöffnet.
Das Literaturverzeichnis umfasst 85 Zitate, je zur Hälfte allgemeinere Publikationen und die wichtigsten Arbeiten über den Nusplinger Plattenkalk nach 1993. Das Buch besticht durch eine reiche, hervorragende Bebilderung, wissenschaftliche Korrektheit auf dem neuesten Stand der Forschung und ein ansprechendes, benutzerfreundliches Layout. Es ist interessant, anschaulich und allgemeinverständlich geschrieben und nicht nur für den allgemein naturkundlich Interessierten und Hobby-Paläontologen, sondern für Studenten der Geologie und Paläontologe sowie für Fachwissenschaftler gleichermaßen ein Werk, das die Fossillagerstätte Nusplinger Plattenkalk erstmals umfassend und aktuell darstellt.
PeterWellnhofer, München
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