Grabungsgeschichte und Forschungsergebnisse (Teil 1)

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Geschichte & Geologie

Die Entdeckung des Nusplinger Plattenkalks

Der fossilreiche Nusplinger Plattenkalk wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Der in Nusplingen tätige Arzt Friedrich Kinzelbach (1809–1867) führte den Tübinger Jura-Geologen Friedrich August Quenstedt (siehe Bild rechts) im Jahre 1839 zu einer kleinen Gesteinsgrube, die ein Nusplinger Bauer zur Gewinnung von Bodenplatten angelegt hatte. Diese Grube ist heute stark verwachsen, aber noch deutlich erkennbar (siehe Seite "Wanderung"). Sie liegt am Rand der Hochfläche des Westerbergs an der ehemaligen Westersteige. Im Jahre 1843 führte Quenstedtden Schichtnamen „Nusplinger Kalkplatten“ ein, aus dem dann später der heute gebräuchliche Name „Nusplinger Plattenkalk“ entstanden ist.

Das heutige Plattenkalk-Vorkommen

Auf dem Westerberg zwischen den Gemeinden Egesheim und Nusplingen kommt der Nusplinger Plattenkalk vor. Das heutige Plattenkalk-Vorkommen (kleine geologische Karte: blaue Flächen) bedeckt eine Fläche von 1,5 km². Die ursprünglich größere Fläche ist durch die Abtragung in den letzten Jahrmillionen stark verkleinert worden. Die Mächtigkeit des Plattenkalks schwankt zwischen 10,5 und 17 Metern, je nach Relief des Lagunenbodens. Derzeit existieren mehrere kleine Aufschlüsse. Im Nusplinger Steinbruch ist die gesamte Schichtenfolge des Plattenkalks erhalten. Im Egesheimer Steinbruch sind nur noch die tieferen Plattenkalk-Schichten erhalten geblieben.

Die Nusplinger Plattenkalk-Lagune

Die ehemalige Nusplinger Lagune war 1-2 km lang und nur wenige 100 Meter breit. Sie bestand aus zwei Teilbecken, der Westerberg-Wanne und der Wanne am Großen Kirchbühl. Beide könnten ursprünglich an ihrem östlichen Rand miteinander in Verbindung gestanden haben. Diese Erkenntnisse gehen auf geologische Geländebeobachtungen und auf mehrere Kernbohrungen zurück. Aus dem flachen Meeresboden ragten Schwammriffe empor. Sie sind durch das Wachstum von Kieselschwämmen und Kalkmikroben entstanden. Die Ablagerung von geschichtetem Kalk zwischen diesen Schwammriffen blieb gegenüber dem Riffwachstum erheblich zurück. So bildeten diese Schwammriff-Hügel stellenweise ein Relief von bis zu 100 m am Meeresboden.

Der zentrale Bereich der Westerberg-Wanne

Die Schwammstotzen bildeten zur Zeit des Oberjuras schüssel- oder wannen-förmige Strukturen aus, die bis zu 80 m tief waren. Diese Schüsseln oder Wannen weisen einen Durchmesser von weniger als einem Kilometer auf. Auch der Nusplinger Plattenkalk wurde in einer solchen wannenartigen Struktur abgelagert. Als die Schwamm-Mikroben-Riffe bis an die Wasseroberfläche reichten und abstarben, riegelten sie die Wanne zeitweisevom offenen Schelfmeer ab und verhinderten so einen stetigen Wasseraustausch. Als Ursache dafür kommt eine rasche Absenkung des Meeresspiegels oder eine lokale Hebung des Meeresbodens in Frage. Der innerhalb der Wanne zu beobachtende geradezu abrupte Wechsel von einer normalen Bankkalk-Fazies in die Plattenkalk-Ausbildung spricht für einer Kombination beider Vorgänge.

Das Profil durch den Nusplinger Plattenkalk

Die gesamte Sedimentfüllung der Westerbergwanne beträgt in ihrem Zentrum durchschnittlich mehr als 30 m. Die unteren 20 m bestehen aus durchwühlten (bioturbaten) „Liegenden Bankkalken“. In diesen herrscht die gewöhnliche, auch von anderen Jura-Gesteinen bekannte Fossilerhaltung vor. Es überwiegen Steinkerne von Ammoniten und Muscheln. Wirbeltiere und feingliedrige Wirbellose wie Krebse oder Insekten fehlen. Nur das obere Drittel der Wannenfüllung besteht aus Plattenkalk, der von in die Wanne hineingeglittenen Riffgesteinsblöcken überlagert wird. Mit den Plattenkalk-Schichten setzt dann ganz plötzlich die besondere Fossilführung und die hervorragende Fossilerhaltung ein.

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